Is Code Law? Dr. Markus Kaulartz über Blockchain, Smart Contracts und deren Einordnung in den Rechtsrahmen

Der ehemalige Grateful Dead Songwriter und Co-Gründer der Electronic Frontier Foundation EFF John Perry Barlow verkündete 1996 auf dem Weltwirtschaftsforums in Davos die Unabhängigkeit des Cyberspace. Getreu seinem 15. sogenannten Prinzip des erwachsenen Verhaltens „Avoid the pursuit of happiness. Seek to define your mission and pursue that“ sieht er im Cyberspace eine Zone, in der herkömmliche Rechtsprechung nicht gilt.  Inwiefern lässt sich diese Sichtweise auf Verträge anwenden, die in Smart Contracts über die Blockchain geschlossen werden? 

Rechtsanwalt Dr. Markus Kaulartz hat eine besondere Beziehung zum Thema Code: er begann seine Karriere as Software Ingenieur und kann somit nicht nur die rechtlichen sondern auch technologischen Aspekte des Themas gut beurteilen.  Nach dem Einstieg über John Perry Barlow geht Markus in seinem Vortrag über zu Lawrence Lessig, dem Rechtsprofessor der Harvard Law Schon, der aufgrund seiner Präsidentschaftskandidatur einem breiteren Kreis der Öffentlichkeit bekannt wurde: „Cyberspace, left to itself, will not fulfill the promise of freedom. Left to itself, cyberspace will become a perfect tool of control“ sprach Lessig 1998 und deutet damit  – obschon Vertreter einer libertinären Geisteshaltung – an, dass eine Gesellschaft ganz ohne die Einflussnahme einer rechtlichen Ordnung nicht existieren kann.

Und genau darin besteht die Grundaussage von Markus Kaulartz: die Verfassung eines Staates regelt das Gesetz, welches wiederum maßgeblich sowohl für Code als auch das Leben seiner Bürger ist. Zusätzlich können im Code Regeln für das Leben definiert sein – diese jedoch ersetzen nicht das geltende Recht, sondern sind ihm unterworfen. Dieser einfache Zusammenhang, der zumindest in rechtsstaatlichen Gesellschaften Gültigkeit hat, wurde während des Ethereum Munich Meetups von einzelnen Besuchern in Frage gestellt: während juristisch ausgebildete oder von einer rechtlichen Perspektive aus argumentierende Zuhörer die Regulierung von Code durch geltendes Recht als natürlich und logisch empfinden, gibt es durchaus andere Stimmen, die diesen Zusammenhang auf der Basis neuer Technologien wie Blockchain und Smart Contracts zumindest in Frage stellen und neue Wege der rechtlichen Betrachtung von Code einfordern.

Markus Kaulartz stellt diesen Überlegungen vier unmissverständliche Thesen gegenüber:

  1. Architecture of freedom becomes architecture of control.
  2. Architecture of control requires regulation to enforce one’s rights of freedom.
  3. Code must understand law and vice versa.
  4. You cannot escape from law.

Markus nimmt dabei die Positions Lawrence Lessig ein und beschreibt, wie sich eine gesellschaftliche Ordnung, die auf 100-prozentiger Freiheit beruht, immer zu einer Gesellschaftsordnung der Kontrolle entwickelt. Diese Entwicklung erfordert eine Regulierung, um die Rechte des Einzelnen zu schützen und durchsetzbar zu machen. Daher muss Code im Einklang mit dem geltenden Recht formuliert werden. Allerdings sieht Markus auch die Pflicht auf Seiten der Gesetzgeber, sich mit den neuen Möglichkeiten wie Smart Contracts auseinanderzusetzen und entsprechende rechtliche Grundlagen zu schaffen. Zuletzt formuliert er unzweideutig, dass – in einem rechtsstaatlichen System – niemand dem Recht entkommen kann. Auf diese ultima ratio haben sich Völker in ihren Verfassungen geeinigt – daher stellt sie auch für Verträge, die in Form automatisch ablaufenden Codes – die Smart Contracts – die zu beachtende Rahmenbedingung dar.

Das Publikum hatte bereits während des Vortrags einige Fragen und bedachte Markus Kaulartz anschliessend mit großem Applaus. Dies zeigt: das Bedürfnis nach Klarheit im Umgang mit der Blockchain und Smart Contracts ist groß. Daher bieten wir basierend auf unseren Meetups gemeinsam mit Dr. Markus Kaulartz und unserem Partner Deloitte entsprechende die folgenden vertiefende “Is Code Law?” Workshops in München, Stuttgart, Berlin, Hamburg und Frankfurt an.

Workshop 1
Introduction To Blockchain From A Legal Perspective

Workshop 2
Smart Contracts, Legally Revised

Workshop 3
Current Industry Specific Hot Topics And How Blockchain Can Be A Game Changer

Wenn Sie an mehr information zu den Workshops interessiert sind, schreiben Sie mir bitte eine email an michael (at) datarella (dot) com.

Blockchain Use Cases in der Versicherungsindustrie – Ethereum Meetup

Das Produkt Versicherung basiert auf einer asymmetrischen Informationsverteilung: der Versicherer besitzt Informationen über das aggregierte Verhalten seiner Versicherungsnehmer und das Auftreten von Ereignissen, die zu Schadensfällen führen. Der Versicherungsnehmer hingegen kennt sein individuelles Verhalten. Mit zunehmender Informationstransparenz nimmt die Ungleichverteilung der Information stetig ab und stellt das klassische Versicherungsprodukt zunehmend in Frage.

Die Blockchain bietet aufgrund ihrer Eigenschaften wie Dezentralität, Unveränderbarkeit und Vollständigkeit ideale Tools, um eine nahezu komplette Informationstransparenz herzustellen. Konsequenterweise beschäftigen sich Versicherungsunternehmen weltweit mit der Blockchain und ihren Implikationen.

Mit Dr. Markus Hablizel, dem Blockchain Evangelisten der Allianz, konnten wir einen der Co-Initiatoren des Blockchain-Konsortiums für die Versicherungsindustrie – B3I – als Sprecher für unser heutiges Ethereum Meetup gewinnen. Er wird uns einen Einblick in die Denk-und Handlungsweise des Allianz Versicherungskonzerns bezüglich Blockchain geben.

Gefolgt wird sein Vertrag von Blockchain-Einblicken des Beratungsunternehmens Deloitte. Dr. Dirk Siegel berichtet uns, warum bei Deloitte Dutzende fulltime mit der Blockchain Beschäftigte arbeiten und welche Implikationen er aus einem finanzindustrie-übergreifenden Blickwinkel für die Blockchain sieht.

Wir freuen uns sehr auf die heutige Diskussion im Wirtschaftsministerium!

Ethereum Munich Meetup mit Meredith L. Patterson und Flight Delay Dapp Live Demo

Meredith L. Patterson ist jedem in der Security- und Crypto-Szene ein Begriff. Neben ihrer Arbeit im Bereich der Computational Linguistic und Data Maning ist Meredith Autorin und Bloggerin. Ihre Themen sind Copyright Reform, Biohacking, Bürgerrechte und Programmiersprachen.

Auf dem Ethereum Munich Meetup wird Meredith ihre Perspektive auf die Sicherheit der Blockchain und entsprechender Anwendungen darstellen. Über die Erkenntnis hinaus, dass die Blockchain lediglich für spezifische Teile eines gesamten Datenprozesses absolut Sicherheit garantieren kann – zumindest solange nicht jedermann über seinen eigenen Quantencomputer verfügt, haben die Teilnehmer Gelegenheit die Grenzen des Blockchain-Einsatzes auszuloten.

Der Abend beginnt mit leichterer, aber ebenso spannender Kost: als Weltpremiere präsentiert live aus Shanghai Christoph Mussenbrock die auf Ethereum Smart Contracts basierende Dapp Flight Delay. Sollte die Great Fire Wall die Live Demo verhindern, wird sein Partner Tobias Pfab die Präsentation vor Ort durchführen.

Für spannende Inhalte und rege Diskussion ist also gesorgt, am Dienstag, den 20.September im Saal 1008 des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Prinzregentenstrasse 28.

Anmeldung und Details zum Ethereum Munich Meetup

Hacking the Blockchain – Meredith L. Patterson spricht auf Ethereum Munich Meetup

Wir sind stolz darauf, mit Meredith L. Patterson eine der führenden Security Expertinnen und Biopunks dafür gewonnen zu haben, auf unserem nächsten Ethereum Munich Meetup am 20. September 22016 zu sprechen.

Mit dem vielversprechenden Titel ihres Vortrags

Hacking the Blockchain

Meredith L. Patterson
Meredith L. Patterson

wird Meredith einen faszinierenden Einstieg in die Sicherheitsaspekte geben, die mit Blockchain Anwendungen einhergehen. In der anschliessenden Diskussion soll insbesondere damit aufgeräumt werden, dass die Blockchain ein Allheilmittel für Transaktionen ist, sondern ihr Einsatz wohlüberlegt erfolgen sollte und noch am ehesten mit dem Bild eines sehr hohen, aber sehr schmalen Zaunes beschrieben werden kann, der das zu schützende Objekt in einem oder wenigen Aspekten perfekt absichert, aber ansonsten alle möglichen Einfallstore für Missbrauch offen lässt.

Wir freuen uns bereits jetzt auf einen spannenden Abend!

Blockchain, Smart Contracts & DAO – das Ethereum Munich Meetup ist gestartet

Immer mehr unserer Big Data Projekte bei Datarella verlangen nicht nur nach administrativen bzw. rechtlichen Sicherheitskonzepten, sondern auch nach state-of-the-art technischen Sicherheits-Konzepten, die das Management von Geschäfts-, Unternehmnens- und persönlichen Daten bestmöglich erlauben.

Um unseren Kunden nachhaltige Lösungen anbieten zu können, sind wir Ende 2015 eine Partnerschaft mit Ethereum und dem Schwesterunternehmen Ethcore eingegangen. Das Ethereum Framework bietet uns die Möglichkeit, auf der Blockchain basierende Geschäftsmodelle mit integrierten Smart Contracts umd DAO-Elementen aufzusetzen.

Da Blockchain, Smart Contracts, DAO und auch Ethereum selbst hierzulande noch relativ unbekannt sind, haben wir das Ethereum Munich Meetup ins Leben gerufen: hier präsentieren, diskutieren und entwickeln wir Ideen, Use Cases und Projekte im Ethereum Ecosystem.

Wenn Sie selbst am Thema interessiert sind, sind Sie herzlich eingeladen, an einem unserer reglmäßigen Meetups teilzunehmen!