Die Blockchain Revolution

1926 veröffentlichte der sowjetische Wissenschaftler Nikolai Kondratjew seinen Aufsatz “Die langen Wellen der Konjunktur”. Auf Basis der von ihm in Deutschland, Frankfeich, England und den USA gesammelten Daten hatte er festgestellt, dass kurze konjunkturelle Zyklen von längeren Wellen überlagert werden, die zwischen 40-60 Jahre andauern. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Aufsatzes befand man sich etwa in der Mitte der dritten Welle, die schliesslich mit dem zweiten Weltkrieg ihr Ende fand.

Die einzelnen Wellen lassen in den Aufschwungsperioden durch Jahre mit überwiegend guter Konjunkturund in den Abschwungsphasen durch einen Überhang an Rezessionsjahren beschreiben. Zugrunde liegen diesen Entwicklungen Basisinnovationen wie die Erfindungen der Dampfmaschine, der Eisenbahn, etc., die mit nachhaltigen Produktivitätssteigerungen einhergehen. Aktuell befinden wir uns in der 5. Kondratjew-Welle, der Informationstechnologie, die Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts begann. Der Beginn der Hochphase der aktuellen Welle dürfte etwa im Jahr 2005 erreicht worden sein. Blickt man aus dem Jahr 2017 innerhalb der Informationstechnologie zurück, stellt man fest, dass dies mit der Emanzipation des Internet zusammenfällt. Heute, 15 Jahre nach der ersten massiven Korrektur der Internetindustrie in den Jahren 2000-2002, stehen die signifikanten Produktivitätssteigerungen, die das Internet gebracht hat, ausser Frage.

Was allerdings noch zu beantworten ist: was folgt auf das Internet? Kommt die nächste bahnbrechende Technologie aus den Bereichen, die üblicherweise in diesem Zusammenhang genannt werden, wie Biotechnologie, Nanotechnologie, Robotik, Künstliche Intelligenz, usw.? Für alle diese Bereiche gibt es schlagende Argumente. Dennoch sehen wir eine bisher noch nicht auf der Agenda stehende technologische Entwicklung als ersten Anwärter auf den Titel “The Next Big Thing”: die Blockchain.

Blockchain hat bis ins Jahr 2016 hinein ein Schattendasein gefristet – nur Spezialisten wussten mit dem Thema etwas anzufangen und konnten sich dafür erwärmen. Durch eine äusserst schnelle Adaption des Themas nicht nur auf Technologie-Konferenzen, sondern auch in ersten Experimenten in Unternehmen, sowie durch öffentlichkeitswirksame beispielhafte Blockchain-Projekte wie das Blutdiamanten-Projekt von De Beers, ist die Blockchain zu Beginn 2017 in aller Munde. Ein Grund für das späte Erwachen liegt vermutlich in der Beschaffenheit der Blockchain: während Künstliche Intelligenz, Robotik et al. mit sichtbaren für den Menschen nachvollziehbaren (wenn auh teilweise erschreckenden) Beispieln aufwarten können, ist die Blockchain eine fundamentale Technologie, die an den originären Strukturen und Prozessen des Wirtschafts- und Soziallebens ansetzt:

Mit der Blockchain lassen sich bestehende Prozesse grundlegend vereinfachen, bestehende scheinbar in Stein gemeißelte Machtstrukturen in einer Weise ändern, dass Unternehmen und Institutionen dieser Technologie hochsensibel und mit grösstem Respekt begegnen. Allein das immanente Blockchain-Element der Dezentralität widerspricht tradierten Machtstrukturen diametral: jeder Arbeitnehmer weiß ein Lied davon zu singen, wie stark Top-Down heute noch die Befehlsprozesse in Unternehmen verlaufen – aktuelle Beispiele wie der VW-Abgasskandal bezeugen dies eindrucksvoll. Dezentralität bedeutet nicht nur eine Veränderung in Machtstrukturen; die in der Blockchain als verteilte Datenbank vorliegenden Informationen ermöglichen darüberhinaus Transaktionsprozesse signifikant effizienter zu gestalten – das Zero Marginal Cost Modell kann hier im Live-Einsatz beobachtet werden: Transaktionen sind zu vernachlässigbaren Kosten durchführbar. Prozesse, die bis dato an Transaktionskosten scheiterten, sind nun durchführbar.

Neben der Dezentralität kennzeichnen die Blockchain weitere Aspekte, wie die Unveränderbarkeit der Daten, eine garantierte Zurückführbarkeit auf historische Daten, und einige andere. In der praktischen Anwendung reicht meist schon die Verwendung eines der konstituierenden Elemente der Blockchain aus, um die Implementierung dieser Technologie zu rechtfertigen. Trifft man in der Realität auf Strukturen und Prozesse, die eine Kombination verschiedener Blockchain-Aspekte zur Anwendung kommen lassen, wird das Potenzial der Technologie ultimativ ausgeschöpft.

Auf einen derartigen Fall kombinierter Blockchain-Elemente sind wir im Building Blocks Projekt gestoßen, das wir gemeinsam mit unserem Partner Parity Technologies für und mit dem WFP Innovation Accelerator des World Food Programs der Vereinten Nationen durchführen. Das Ziel des Projekts besteht darin, einen relevanten Baustein zur Aufgabe des WFP – die Beendigung weltweiter Hungerprobleme – beizusteuern. “End Hunger” – ein Ziel, das unseer Arbeit am Building Blocks Projekt nicht nur hochinteressant und herausforderend, sondern auch zu einer Herzensangelegenheit macht.

Wir werden die Entwicklung des Projekts in einzelnen Beiträgen beschreiben – es hat im Dezember 2016 begonnen und bereits Anfang Januar gab es einen ersten Proof of Concept im Süden Pakistans.  Der nächste Milestone ist für Frühjahr 2017 angepeilt. Interessierten bieten wir darüberhinaus an, uns am 16. Mai in München zu besuchen: in den Räumen des WFP Innovation Accelerators werden wir gemeinsam mit den WFP Kollegen das Building Blocks Projekt vorstellen. Bei Interesse ist eine rechtzeitige Anmeldung angeraten, da das Platzangebot begrenzt ist. Das Building Blocks Projekt bietet eine große Bandbreite der Aspekte, die bei der Einführung einer neuen Technologie anfallen. Umso mehr freuen wir uns, in wenigen Wochen erste Ergebnisse vorstellen zu können.

Is Code Law? Dr. Markus Kaulartz über Blockchain, Smart Contracts und deren Einordnung in den Rechtsrahmen

Der ehemalige Grateful Dead Songwriter und Co-Gründer der Electronic Frontier Foundation EFF John Perry Barlow verkündete 1996 auf dem Weltwirtschaftsforums in Davos die Unabhängigkeit des Cyberspace. Getreu seinem 15. sogenannten Prinzip des erwachsenen Verhaltens „Avoid the pursuit of happiness. Seek to define your mission and pursue that“ sieht er im Cyberspace eine Zone, in der herkömmliche Rechtsprechung nicht gilt.  Inwiefern lässt sich diese Sichtweise auf Verträge anwenden, die in Smart Contracts über die Blockchain geschlossen werden? 

Rechtsanwalt Dr. Markus Kaulartz hat eine besondere Beziehung zum Thema Code: er begann seine Karriere as Software Ingenieur und kann somit nicht nur die rechtlichen sondern auch technologischen Aspekte des Themas gut beurteilen.  Nach dem Einstieg über John Perry Barlow geht Markus in seinem Vortrag über zu Lawrence Lessig, dem Rechtsprofessor der Harvard Law Schon, der aufgrund seiner Präsidentschaftskandidatur einem breiteren Kreis der Öffentlichkeit bekannt wurde: „Cyberspace, left to itself, will not fulfill the promise of freedom. Left to itself, cyberspace will become a perfect tool of control“ sprach Lessig 1998 und deutet damit  – obschon Vertreter einer libertinären Geisteshaltung – an, dass eine Gesellschaft ganz ohne die Einflussnahme einer rechtlichen Ordnung nicht existieren kann.

Und genau darin besteht die Grundaussage von Markus Kaulartz: die Verfassung eines Staates regelt das Gesetz, welches wiederum maßgeblich sowohl für Code als auch das Leben seiner Bürger ist. Zusätzlich können im Code Regeln für das Leben definiert sein – diese jedoch ersetzen nicht das geltende Recht, sondern sind ihm unterworfen. Dieser einfache Zusammenhang, der zumindest in rechtsstaatlichen Gesellschaften Gültigkeit hat, wurde während des Ethereum Munich Meetups von einzelnen Besuchern in Frage gestellt: während juristisch ausgebildete oder von einer rechtlichen Perspektive aus argumentierende Zuhörer die Regulierung von Code durch geltendes Recht als natürlich und logisch empfinden, gibt es durchaus andere Stimmen, die diesen Zusammenhang auf der Basis neuer Technologien wie Blockchain und Smart Contracts zumindest in Frage stellen und neue Wege der rechtlichen Betrachtung von Code einfordern.

Markus Kaulartz stellt diesen Überlegungen vier unmissverständliche Thesen gegenüber:

  1. Architecture of freedom becomes architecture of control.
  2. Architecture of control requires regulation to enforce one’s rights of freedom.
  3. Code must understand law and vice versa.
  4. You cannot escape from law.

Markus nimmt dabei die Positions Lawrence Lessig ein und beschreibt, wie sich eine gesellschaftliche Ordnung, die auf 100-prozentiger Freiheit beruht, immer zu einer Gesellschaftsordnung der Kontrolle entwickelt. Diese Entwicklung erfordert eine Regulierung, um die Rechte des Einzelnen zu schützen und durchsetzbar zu machen. Daher muss Code im Einklang mit dem geltenden Recht formuliert werden. Allerdings sieht Markus auch die Pflicht auf Seiten der Gesetzgeber, sich mit den neuen Möglichkeiten wie Smart Contracts auseinanderzusetzen und entsprechende rechtliche Grundlagen zu schaffen. Zuletzt formuliert er unzweideutig, dass – in einem rechtsstaatlichen System – niemand dem Recht entkommen kann. Auf diese ultima ratio haben sich Völker in ihren Verfassungen geeinigt – daher stellt sie auch für Verträge, die in Form automatisch ablaufenden Codes – die Smart Contracts – die zu beachtende Rahmenbedingung dar.

Das Publikum hatte bereits während des Vortrags einige Fragen und bedachte Markus Kaulartz anschliessend mit großem Applaus. Dies zeigt: das Bedürfnis nach Klarheit im Umgang mit der Blockchain und Smart Contracts ist groß. Daher bieten wir basierend auf unseren Meetups gemeinsam mit Dr. Markus Kaulartz und unserem Partner Deloitte entsprechende die folgenden vertiefende “Is Code Law?” Workshops in München, Stuttgart, Berlin, Hamburg und Frankfurt an.

Workshop 1
Introduction To Blockchain From A Legal Perspective

Workshop 2
Smart Contracts, Legally Revised

Workshop 3
Current Industry Specific Hot Topics And How Blockchain Can Be A Game Changer

Wenn Sie an mehr information zu den Workshops interessiert sind, schreiben Sie mir bitte eine email an michael (at) datarella (dot) com.

Blockchain Use Cases in der Versicherungsindustrie – Ethereum Meetup

Das Produkt Versicherung basiert auf einer asymmetrischen Informationsverteilung: der Versicherer besitzt Informationen über das aggregierte Verhalten seiner Versicherungsnehmer und das Auftreten von Ereignissen, die zu Schadensfällen führen. Der Versicherungsnehmer hingegen kennt sein individuelles Verhalten. Mit zunehmender Informationstransparenz nimmt die Ungleichverteilung der Information stetig ab und stellt das klassische Versicherungsprodukt zunehmend in Frage.

Die Blockchain bietet aufgrund ihrer Eigenschaften wie Dezentralität, Unveränderbarkeit und Vollständigkeit ideale Tools, um eine nahezu komplette Informationstransparenz herzustellen. Konsequenterweise beschäftigen sich Versicherungsunternehmen weltweit mit der Blockchain und ihren Implikationen.

Mit Dr. Markus Hablizel, dem Blockchain Evangelisten der Allianz, konnten wir einen der Co-Initiatoren des Blockchain-Konsortiums für die Versicherungsindustrie – B3I – als Sprecher für unser heutiges Ethereum Meetup gewinnen. Er wird uns einen Einblick in die Denk-und Handlungsweise des Allianz Versicherungskonzerns bezüglich Blockchain geben.

Gefolgt wird sein Vertrag von Blockchain-Einblicken des Beratungsunternehmens Deloitte. Dr. Dirk Siegel berichtet uns, warum bei Deloitte Dutzende fulltime mit der Blockchain Beschäftigte arbeiten und welche Implikationen er aus einem finanzindustrie-übergreifenden Blickwinkel für die Blockchain sieht.

Wir freuen uns sehr auf die heutige Diskussion im Wirtschaftsministerium!

Blockchain, IoT und Big Data: Das Ende asymmetrischer Information

Principal-Agent-Probleme, Moral Hazard, Public Choice Probleme und einige andere bekannte große betriebs- und volkswirtschaftliche Herausforderungen stellen seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts einen relevanten Teil der jeweiligen Fachgebiete dar. James McGill Buchanan erhielt für seine ökonomische Theorie des Staates 1986 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Anlässlich derselben Preisverleihung im Jahr 2016 an Oliver Hart und Bengt Holmström, die für ihre Arbeiten auf dem Feld der Vertragstheorie ausgezeichnet wurden, werfen wir einen Blick auf die aktuelle technologische Realität, in der IoT, Blockchain und Big Data die oben genannten Herausforderungen lösen und das Forschungsfeld obsolet machen.

Der Begriff Big Data steht nicht nur für eine unüberbrückbare Datenflut, die schneller auf uns zuströmt, als dass wir sie schrittweise abarbeiten können, sondern auch für Ubiquitär vorhandene Daten bei jedweden Fragestellungen. Im Zusammenhang mit dem Internet of Things stehen über kurz oder lang in jeglicher Hardware alle Daten über Nutzung des „Things“ sowie über Kontext und Umwelt der Nutzung zu Verfügung. Maschinen werden gewartet, bevor sie kaputtgehen, Menschen werden rechtzeitig vor drohenden Unfällen gewarnt, und passende Empfehlungen werden auf Basis des erwarteten Nutzerverhaltens für zukünftige Produkte und Services ausgesprochen.

Mit anderen Worten: asymmetrische Informationszustände, die die Grundlage für Theorien wie Moral Hazard oder Principal-Agent-Probleme darstellen, wird es zukünftig nicht oder kaum noch geben. Während ohne die genannten Technologien Informationen ungleich verteilt waren, ermöglichen Big Data und IoT gemeinsam mit bestehenden Infrastrukturen wie dem Internet und der praktisch grenzenlosen Verfügbarkeit von Speicherkapazität und Bandbreite auch für das Individuum eine symmetrische Verteilung der Information.

Moral Hazard
Ein wichtiger Aspekt der Informationsasymmetrie besteht im (fehlenden) Vertrauen der Vertragspartner: wenn beispielsweise ein Versicherungsunternehmen ein Auto versichert, muss es davon ausgehen, dass der Versicherungsnehmer weniger sorgfältig mit dem Auto umgeht, als wenn er keine Versicherung abgeschlossen hätte. Dieser Moral Hazard ist der Grund für die Einführung des Selbstbehalts, der zumindest allzu große Nachlässigkeit vermeiden soll.

Jeder ab 1996 gebaute PKW bietet die Möglichkeit, über einen sogenannten OBD (On Board Diagnostic) Adapter, zumindest elementare Daten über die Fahrhistorie zu liefern. Für die Wartung des Fahrzeugs oder auch für die Beweisaufnahme bei Unfällen bieten diese Daten entscheidende Vorteile. Der berühmt gewordener Fall eines Journalisten, der angab, trotz korrekten Fahrverhaltens mit einem Tesla auf freie Strasse stehengeblieben zu sein, konnte durch die Analyse der Fahrdaten widerlegt werden.
Wenn nun diese Fahrdiagnosedaten auch dem Fahrer zu Verfügung gestellt werden, beispielsweise in Form von Apps, die ihn nicht nur auf fallenden Reifendruck aufmerksam machen, sondern ihm auch zeigen, wie er besonders sparsam und umweltverträglich fahren kann, ist die ursprüngliche Informationsasymmetrie aufgehoben. Wenn dann auch noch Werkstattbesuche automatisch geplant und vereinbart werden, weil über die Fahrdiagnose und den Kalender des Fahrers entsprechende Optionen geprüft werden können, erweiterte sich der Kreis der Informationstransparenz um eine weitere Ebene.

Principal-Agent-Probleme
Immer, wenn ein Principal einen Agent anheuert, um eine Leistung zu erbringen, besteht die Herausforderung darin, den richtigen Preis für diese Leistung zu bestimmen. Wird ein aus Sicht des Agents zu niedriger Preis vereinbart, wird er nur das Allernötigste beisteuern und die Gesamtleistung vermutlich darunter leiden. Ist der Preis aus Sicht des Principals zu hoch, wird er den Auftrag nicht erteilen. Der richtige bzw. optimale Preis ist demnach dann zu erzielen, wenn hohe Informationstransparenz bzw. Informationssymmetrie herrscht.

Ein nettes Beispiel zur Verdeutlichung des positiven Effekts von Informationssymmetrie ist die 2014 vom indischen Staat eingerichtete Website, auf der öffentlich und in real time die Büroarbeitszeiten von über 80.000 Verwaltungsangestellten in Neu-Delhi dargestellt werden. Im System werden lediglich Anfangs- und Endzeiten der Büropräsenz ermittelt, aber allein diese Informationen haben die Abwesenheitsrate der Verwaltungsangestellten dramatisch gesenkt.

Blockchain
Informationsasymmetrie führt oft zu mangelndem Vertrauen der Vertragspartner. In der Vergangenheit wurden Verrauensdefizite durch den Einsatz von Treuhand-Institutionen wie Notaren, Treuhandkonten, etc. ausgeglichen. Diese zusätzliche Einrichtung zwingend notwendiger neutraler Dritter ist ein kostspieliges Element in Verträgen: kein Beteiligter will es, alle brauchen es.

Durch den Einsatz der Blockchain – insbesondere durch die systemimmanente Unveränderbarkeit (Immutability) der in der Blockchain enthaltenen Daten, sowie durch den Einsatz von Smart Contracts und korrespondierender Krypto-Währungen wie Bitcoin oder Ether – wird die Funktion des Treuhänders von einer automatisch und autonom handelnden Maschine-zu-Maschine Kommunikation ersetzt. Allein der Ersatz dieser bisher benötigter Vertrauens- und Abwicklungsinstitutionen soll der Finanzindustrie rund ein Fünftel der Kosten der Abwicklung des Geldverkehrs einsparen.

Bringen Big Data, IoT und Blockchain das Ende asymmetrischer Information?

Oliver Hart und Bengt Holmström, der in den 1970er Jahren die Principal-Agent-Theorie mitentwickelte, erhielten den Nobelpreis für ihre Arbeiten zur Optimierung von Verträgen. Dabei spielen insbesondere sog. „unvollständige Verträge“ eine große Rolle – Verträge, die nicht vollständig alle theoretisch entstehenden Vertragssituationen regeln. Diese 100%-Abdeckung wird auch auf Basis der aktuellen technologischen Entwicklung nicht garantiert – aber im Vergleich zur Zeit der Entstehung dieser Theorien bieten die heute verfügbaren Daten und Methoden gänzlich andere, bessere Möglichkeiten der Vertragsgestaltung. Das oben bemühte Beispiel eines Autounfalls stellt sich für den Fahrer, das Unfallopfer, den Versicherer und alle am Unfall Beteiligten heute komplett anders dar, als noch Ende des 20. Jahrhunderts: die heute verfügbaren Daten und Methoden der Analyse lassen nahezu keinen (subjektiven) Ermessensspielraum bei der Beurteilung der Situation mehr zu und ermöglichen so ein a priori gänzlich andersartige Vertragsgestaltung.

Das Zeitalter asymmetrischer Information neigt sich dem Ende zu.

Ethereum Munich Meetup mit Meredith L. Patterson und Flight Delay Dapp Live Demo

Meredith L. Patterson ist jedem in der Security- und Crypto-Szene ein Begriff. Neben ihrer Arbeit im Bereich der Computational Linguistic und Data Maning ist Meredith Autorin und Bloggerin. Ihre Themen sind Copyright Reform, Biohacking, Bürgerrechte und Programmiersprachen.

Auf dem Ethereum Munich Meetup wird Meredith ihre Perspektive auf die Sicherheit der Blockchain und entsprechender Anwendungen darstellen. Über die Erkenntnis hinaus, dass die Blockchain lediglich für spezifische Teile eines gesamten Datenprozesses absolut Sicherheit garantieren kann – zumindest solange nicht jedermann über seinen eigenen Quantencomputer verfügt, haben die Teilnehmer Gelegenheit die Grenzen des Blockchain-Einsatzes auszuloten.

Der Abend beginnt mit leichterer, aber ebenso spannender Kost: als Weltpremiere präsentiert live aus Shanghai Christoph Mussenbrock die auf Ethereum Smart Contracts basierende Dapp Flight Delay. Sollte die Great Fire Wall die Live Demo verhindern, wird sein Partner Tobias Pfab die Präsentation vor Ort durchführen.

Für spannende Inhalte und rege Diskussion ist also gesorgt, am Dienstag, den 20.September im Saal 1008 des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Prinzregentenstrasse 28.

Anmeldung und Details zum Ethereum Munich Meetup

Hacking the Blockchain – Meredith L. Patterson spricht auf Ethereum Munich Meetup

Wir sind stolz darauf, mit Meredith L. Patterson eine der führenden Security Expertinnen und Biopunks dafür gewonnen zu haben, auf unserem nächsten Ethereum Munich Meetup am 20. September 22016 zu sprechen.

Mit dem vielversprechenden Titel ihres Vortrags

Hacking the Blockchain

Meredith L. Patterson
Meredith L. Patterson

wird Meredith einen faszinierenden Einstieg in die Sicherheitsaspekte geben, die mit Blockchain Anwendungen einhergehen. In der anschliessenden Diskussion soll insbesondere damit aufgeräumt werden, dass die Blockchain ein Allheilmittel für Transaktionen ist, sondern ihr Einsatz wohlüberlegt erfolgen sollte und noch am ehesten mit dem Bild eines sehr hohen, aber sehr schmalen Zaunes beschrieben werden kann, der das zu schützende Objekt in einem oder wenigen Aspekten perfekt absichert, aber ansonsten alle möglichen Einfallstore für Missbrauch offen lässt.

Wir freuen uns bereits jetzt auf einen spannenden Abend!

Blockchain, Smart Contracts & DAO – das Ethereum Munich Meetup ist gestartet

Immer mehr unserer Big Data Projekte bei Datarella verlangen nicht nur nach administrativen bzw. rechtlichen Sicherheitskonzepten, sondern auch nach state-of-the-art technischen Sicherheits-Konzepten, die das Management von Geschäfts-, Unternehmnens- und persönlichen Daten bestmöglich erlauben.

Um unseren Kunden nachhaltige Lösungen anbieten zu können, sind wir Ende 2015 eine Partnerschaft mit Ethereum und dem Schwesterunternehmen Ethcore eingegangen. Das Ethereum Framework bietet uns die Möglichkeit, auf der Blockchain basierende Geschäftsmodelle mit integrierten Smart Contracts umd DAO-Elementen aufzusetzen.

Da Blockchain, Smart Contracts, DAO und auch Ethereum selbst hierzulande noch relativ unbekannt sind, haben wir das Ethereum Munich Meetup ins Leben gerufen: hier präsentieren, diskutieren und entwickeln wir Ideen, Use Cases und Projekte im Ethereum Ecosystem.

Wenn Sie selbst am Thema interessiert sind, sind Sie herzlich eingeladen, an einem unserer reglmäßigen Meetups teilzunehmen!

Eine Dezentrale Autonome Organisation DAO – Was ist das?

Was ist eine DAO, wie entsteht sie, was unterscheidet sie von herkömmlichen Organisationen und welchen Nutzen schafft sie? In einem ersten Beitrag wolln wir den Begriff der Dezentralen Autonomen Organisation (auch: dezentrale Selbstorganisation) einführen und erläutern.

Die meisten typischen uns bekannten Organisationsformen weisen ähnliche Strukturen auf: sie sind von einer zentralen Einheit, beispielsweise einer oder mehreren Personen oder einem Unternehmen, gegründet worden. Sie werden mit einem Regelsystem ausgestattet, nachdem sie funktionieren (sollen). Struktur und Prozesse bestimmen Zweck, Verhalten umd Wirkung der Organisation. Solange die Umgebung so beschaffen ist und die Umwelt sich so verhält, wie die Leitung es einschätzt, funktioniert die Organisation „nach Plan“. Organisationen dieses Typs funktionieren nach dem Top-Down-Prinzip: die Leitung (Chef, Vorstand, Gremium, etc.) macht Vorgaben und delegiert die Erstellung weiterer Vorgaben an in der Struktur weiter únten befindliche Teilnehmer (Manager, Arbeiter, etc.), die wiederum für die Einhaltung ihrer Vorgaben sorgen (sollen).

Die Kernmerkmale dieser Organisationsform sind Zentralität und Heteronomie, oder Fremdbestimmtheit: nicht der Abteilungsleiter bestimmt und verantwortet letztlich die Geschicke eines Unternehmens, sondern die Geschäftsführung. Im Unterschied zu dieser klassisch-hierarchischen Organisationsform ist die DAO diametral anders strukturiert: sie ist dezentral aufgebaut und funktioniert autonom; d.h. sie steht zwar (beispielsweise über das Intermet) im Austausch. mit anderen – DAOs, Individuen, (klassischen) Organisationen, etc., handelt aber selbständig. Hier eine aktuelle Definition der DAO:

DAO Definition
Eine blockchain-basierte, autonome, dezentral strukturierte nicht-natürliche Organisationseinheit, die ohne jegliche zentrale Weisung selbständig Entscheidungen auf der Basis unveränderlichen Computercodes trifft.

Das der DAO zugrundeliegende Regelset wird durch Mehrheitsentscheidungen der involvierten Teilnehmer aufgestellt und stetig weiterentwickelt. Derzeit werden die originären Regelsets noch von denjenigen Individuen bzw. Organisationen definiert, die DAOs aufsetzen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Fähigkeit zu einer dezentralen Entscheidungsfindung soweit entwickelt sein, dass die initiale Erstellung von Regularien selbst über dezentrale Entscheidungen läuft.

Da DAOs aus Computercode bestehen, interagieren sie mit der Aussenwelt über Dienstleister, die Entscheidungen transportieren. Eine DAO kann viele unterschiedliche Dienstleister beschäftigen, die verschiedenste Aufgaben erledigen:

Beispielsweise könnte eine imaginäre SonntagsFußballDAO, gegründet von 30 sportbegeisterten Männern in der Nachbarschaft, dafür sorgen, dass ein gemeinsames Fußballspiel automatisch vereinbart wird, sobald mindestens 11 Teilnehmer Sonntags zwischen 15-17 Uhr Zeit haben und vor Ort sind. In diesem Falle müsste ein Dienstleister die Verfügbarkeit der Teilnehmer in ihren Kalendern prüfen und sicherstellen, dass der Fußballplatz frei ist. Eventuell muss die Online-Buchung des Platzes durchgeführt werden. Nachdem mindestens 11 Teilnehmer zugesagt haben, wird allen der Termin in den Kalender geschrieben. Die Kontrolle darüber, dass tatsächlich ein Fußballspiel stattgefunden hat, könnte ebenfalls durch einen Dienstleister geschehen. Hier werden jedoch die Teilnehmer vermutlich genügend Eigeninteresse mitbringen, dies zu bestätigen.

Die jeweiligen Regeln, auf Basis derer die Diensleister agieren, werden smart contracts genannt. Diese mit einer englischsprachigen Beschreibung versehenen Codeschnipsel definieren die Ausführung der Dienstleistung: Zeitpunkt und Dauer, Art und Weise, Lieferergebnis, Zahlungsbedingungen, etc.. Für die Erstellung von smart contracts werden sog. Tokens der jeweiligen DAO benötigt, ein Zahlungsmittel für Interaktionen. Für die an der DAO Beteiligten ist der Einsatz von Tokens typischerweise kostenlos – Teilnehmer ausserhalb des Beteiligtenkreises können sich Tokens mit einer virtuellen Währung wie Ether oder Bitcoin kaufen. Grundsätzlich kann die DAO auch Aussenstehenden die Nutzung vin Tokens kostenlos ermöglichen – die Gebühr für den Erwerb der Tokens ist jedoch gleichzeitig ein Element eines möglichen Geschäftsmodells einer DAO. Im Falle unserer SonntagsFußballDAO ist vermutlich kein Geld im Spiel, da es sich um eine nachbarschaftliche Freizeitangelegenheit handelt. Sogenannte DACs decentralized autonomous corporations, also zu geschäftlichen Zwecken errichtete DAOs, werden sich typischerweise durch den Verkauf von Tokens refinanzieren.

DAOs können grundsätzlich jede denkbare Aufgabe übernehmen bzw Zweck erfüllen. In jedem Fall sind die für herkömmliche Prozesse notwendigen Mittelsmänner (z.B. Rechtsanwälte, Steuerberater, etc.) nicht mehr erforderlich – dies spart Zeit und Geld. Auch die Tatsache, dass eine DAO selbständig entscheidet – ohne einen entsprechende Anweisung durch eine zentrale Instanz anfordern zu müssen, gestaltet alle Prozesse maximal effizient: so kann beispielsweise die Haustür in Abwesenheit der Anwohner durch die Reinigungskraft geöffnet werden, während sie für alle anderen Personen verschlossen bleibt. In diesem Fall findet die tatsächliche Entscheidung in der Haustür selbst statt; dies verdeutlicht die Implikation, die DAOs für das Internet of Things IoT haben. Dazu werden wir in den folgenden Beiträgen noch näher eingehen.

Das Konzept der DAO ist neu. Verständlicherweise widerstrebt es insbesondere Geschäftsleuten sich vorzustellen, dass Unternehmen aus autonom entscheidenden, auf Computercode basierenden Organisationen bestehen und nicht zentral gesteuert werden. Die Blockchain-Technologie, der zunehmende Einsatz virtueller Währungen und die Entwicklung zu immer effizienteren Prozessen werden dafür sorgen, dass DAOs schon bald alltäglich sind. Vielleicht wird dann der Begriff DAO selbst keine Rolle mehr spielen und die aktuell auf dem Markt bekannten spezifischen virtuellen Währungen und Plattformen für smart contracts von anderen, neuen, abgelöst worden sein – für uns besteht allerdings kein Zweifel daran, dass DAOs in absehbarer Zeit die dominante Organisationsform darstellen.

Bei Datarella setzen wir uns daher seit geraumer Zeit mit dem Thema auseinander und arbeiten mit unserem Partner Ethereum an unterschiedlichen Lösungen für den Praxiseinsatz – als Software, wie als Hardware. Unser Anspruch dabei ist: eine DAO muss einen ökonomischen Nutzen bringen, idealerweise kurzfristig. Wenn sie das Thema interessiert und Sie sich einen Meinungsaustausch wünschen, sprechen Sie uns an oder besuchen Sie eines unserer Ethereum Munich Meetups!

Derlei Zusammenkünfte können ungeahnte Kreativität freisetzen, wie diese Science Fiction Kurzgeschichte von Dan Finlay, die ich Ihnen als Einstiegslektüre in das Thema DAO empfehle.